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Kunst und Qualia – Eine Deutung des Kunstbegriffes

Verfasst von No, Really. am April 18, 2009

Es gibt viele Zitate über die Daseinsberechtigung der Kunst, bzw. über die Frage was unter den Begriff „Kunst“ fällt und was nur geistiger Abfall ist. Die meisten dieser Zitate wurden schon so oft verwendet, dass es (in den Grenzen des guten Geschmacks) unmöglich ist metaphorisch zu erklären wie sie aussehen würden, hätten sie einen Körper. Noch eine weitere Gemeinsamkeit lässt sich bei diesen Aussprüchen finden: dem Ziel den Kunstbegriff zu umreißen kommen sie ungefähr so nahe, wie eine Horde mistgabelbewehrter Landwirte einer angenehmen Gesellschaft.

Ist dieser, zugegebenermaßen sehr erzwungene, Vergleich jetzt schon „Kunst“? Ich behaupte, dass es keine ist. Dies bedarf näherer Erläuterung. Seit Anbeginn der menschlichen Ratio wird immerwieder versucht der Kunst einen Zweck zu unterstellen. Es reicht von Schillers Idealismus bis zum extremen postmodernen Materialismus, der traurigerweise versucht die Kunst mithilfe evolutionärer Motive zu erklären.

Ich möchte auf einer kommunikationstheoretischen Ebene argumentieren, da ich leider keine Ahnung von der Materie habe, muss ich ein paar Postulate aufstellen, welche mir logisch erscheinen, jedoch auch schon längst widerlegt sein können.

Meine wichtigste Annahme ist, dass Sprache auf einer rein rationalen (ja, ich gehöre zu den Menschen die noch klar zwischen ratio und emotio trennen) Eben abläuft. Dieser Sachverhalt offenbart ein gewaltiges Defizit. Die Funktionssprache (im Gegensatz zur „Kunstsprache“) kann zwar mit Worten beschreiben, in welchem aktuellen emotionalen Zustand sich der Kommunizierende sich befindet, kann diesen aber keinesfalls übertragen bzw. anschaulich machen. Hier kommt die Kunst ins Spiel: Um den Rezepienten in eine ähnliche emotionale Konstitution zu befördern, muss der steinige Umweg über Metaphern gegangen werden.

Kunst kann also als tieferes Medium der Kommunikation betrachtet werden, weil es Gedanken und Gefühle nicht beschreibt sondern induziert. Doch was bedeutet das für meine Vergleich aus dem ersten Absatz. Oder anders gefragt: Was sagt das über die Qualität von Kunst aus? Gute Kunst löst also beim Rezepienten das, vom Künstler entweder rational intendierte oder aber emotional wahrgenommene, Gefühl aus. Also bleibt ein schlechter Witz schlecht, weil er vielleicht bei einer kleinen Gruppe Belustigung, beim Großteil jedoch Verzweiflung auslöst.

Eine weitere Folgerung ist die wegfallende Funktion von Metaphern zum Erklären von Sachverhalten. Solange die Metapher bewirkt, dass der Empfänger den Weg, den der Verfasser gehen musste, um zu seiner Conclusio zu gelangen selber abschreitet, hat sie ihre Daseinsberechtigung. Sollte jedoch nur eine Vereinfachung des Sachverhaltes erreicht werden, so kann diese auch durch eine Reduktion der Erläuterung in der Funktionssprache erreicht werden.

Für Einwände (alá „DAS IST NICHTS NEUES“ „IDIOTIE“ etc.) bin ich immer offen. Diskussion ist erwünscht.
Vielen Dank fürs Lesen.

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